café viereck


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Die Räume mit den meisten Zählungen:
Sonderteam Rummelsburger Bucht     81
Sonderteam Zoo     72
Sonderteam Warschauer     34
Lietzensee     26
Sonderteam Ostbahnhof     23
Sonderteam Alexanderplatz     22
Sonderteam Kotti     18
Sonderteam Hauptbahnhof     16
Messe Berlin     16
Savignyplatz     12


Vergleich

2 Analyse
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Erhard

P: Hallo, wie heißt Du und wie alt bist Du?

E: Mein Name ist Erhard und ich bin 70 Jahre alt.

P: Wo kommst Du ursprünglich her und wie lange wohnst Du auf der Straße?

E: Ich komme ursprünglich aus Niedersachsen und auf der Straße bin ich so über 10 Jahre.

P: Hat sich durch die Corona Pandemie bei Dir etwas verändert und inwieweit fühlst Du Dich dadurch betroffen?

E: Ich hatte kurz davor eine Lungenentzündung gehabt, doppelseitige Lungenentzündung. Und da fängt man langsam an zu denken, man kann nicht so weiter machen, auf dieser Basis. Also, verändert hat sich, dass man keine Jobs mehr irgendwo findet, dass man zwischendurch mal arbeiten könnte. Beispielsweise Prospekte verteilen, was ich sonst immer ab und zu gemacht habe. Und finanziell ist es auch nicht mehr so, wie es vorher war. Wenn ich heute knapp zwanzig Euro mal verdiene, dann ist das schon sehr viel. Vorher war es mal an die dreißig Euro. Also das ist nicht mehr so wie vorher und ich muss länger sitzen dafür, was ich vorher nicht brauchte. Die Leute waren spendabler vorher.

P: Kannst du versuchen zu beschreiben, wie es sich anfühlt, obdachlos zu sein?

E: Beschreiben. Es ist so, wenn Sie auf der Strasse gehen…wie soll man das richtig beschreiben? Man fühlt sich überflüssig einerseits von der Gesellschaft. Überall, wo man hinkommt, wird man behandelt, als ob man der Letzte wäre. Dabei bin ich doch ein genauso wertvoller Mensch, wie jeder andere. Nur, dass ich zur Zeit eben in Schwierigkeiten bin, wofür ich nichts kann.

P: Gibt es zusätzlich etwas, worüber Du erzählen möchtest, über das Obdachlosenleben zum Beispiel?

E: Obdachenlosenleben, na ja. Ich sage immer, Obdachlosigkeit ist der zweite Tod. Man existiert, aber man existiert doch nicht auf eine Art. Das ist eine tote Zeit. Jeder macht irgendetwas daraus. Die meisten haben sich aufgegeben, weil sie keine Ziele mehr haben. Ich versuche, mein Ziel in den Augen zu behalten und da rauszukommen. Ich werde vielleicht noch drei Jahre so leben müssen, bis ich mein Ziel wieder erreicht habe. Aber dann denke ich, dass ich dann wieder so leben kann. Ok, manche sagen: Jetzt bist Du sehr alt. Aber wenn ich daran denke, dass mein Vater über neunzig wurde und mein Opa auch, also habe ich noch 20 Jahre vor mir. Wenn ich das dann schaffe in drei Jahren, dann habe ich immer noch 17 Jahre vor mir und die möchte ich dann genießen. So sehe ich das jedenfalls. Wenn man sich aufgibt und nicht Optimist ist, kann man sich gleich einen Strick holen. Also so sehe ich das jedenfalls, andere sehen es vielleicht anders.

Jan

P: Wie heißt Du und wie alt bist Du?

J: Ich bin der Jan und ich bin 39 Jahre alt.

P: Wo kommst Du ursprünglich her und seit wann wohnst Du auf der Straße?

J: Ich komme aus dem Lande Brandenburg und lebe jetzt 1.5 Jahre auf der Straße.

P: Ok. Hat sich durch die Corona Pandemie bei Dir etwas verändert und inwieweit fühlst Du Dich dadurch betroffen?

J: Ja also, wie gesagt, ich bin Flaschensammler. Und als die Corona Zeit anfing, da ist natürlich keiner mehr hinausgegangen. Wer stellt Flaschen draußen hin, wenn keiner da ist? Das war natürlich schwer und schnorren ist nicht so mein Ding, obwohl das besser läuft bei Corona, das Schnorren. Es sind zwar weniger Leute, aber die Leute, die etwas geben, die geben mehr. Ja aber, pff, soviel verändert hat sich eigentlich nicht.

P: Ok. Gibt es Dinge, die Dich stören, die Dich einschränken?

J: Ja, was mich am meisten stört an dem Obdachlosensein ist, dass man nicht vernünftig auf Toilette gehen kann und keine Dusche hat. Ich bin ja nun mal im Wald und da musst Du halt in den Wald kacken. Da bleibt Dir ja nichts anderes übrig. Man produziert ein Loch und kackt da rein. Aber mit dem Duschen ist das auch so ein Problem. Du kannst nicht jeden Tag duschen gehen, das geht nicht. Wo willst Du das machen? Es gibt genug Anlaufstellen in Berlin, wo man hingehen kann. Ja, aber da stehst Du dann drei Stunden. Da überlegst Du Dir das zweimal. Gut, dann gehe ich halt morgen duschen oder ich gehe übermorgen duschen. Ja, und schon sind acht Tage vergangen.

Manuell

P: Wie alt bist Du und wo kommst Du ursprünglich her?

M: Ich bin 46 Jahre alt und komme ursprünglich aus Marburg an der Lahn.

P: Seit wann bist Du obdachlos?

M: Seit 2017. Ich war vorher in Hamburg und bin seit einem Jahr hier in Berlin jetzt.

P: Du wohnst mit Deinem obdachlosen Mitbewohner Wolfgang am Wannsee zusammen. Wie habt ihr aneinander kennengelernt und wie kommt ihr miteinander klar?

M: Kennengelernt haben wir uns vor einem Jahr am Bahnhof Zoo. Dann haben wir uns eine Woche lang immer wieder da getroffen. Und dann sind wir raus zum Wannsee und seitdem machen wir da auch Platte zusammen und fahren dann in die Stadt rein. Wir kommen ganz gut miteinander klar, das klappt schon.

P: Wie fühlt es sich für Dich an, obdachlos zu sein?

M: Also ich habe keine Schwierigkeiten damit. Also, ich fühle mich gut. Also ich kann das nicht so beschreiben. Vielleicht andere können das besser machen oder so. Viele kommen ja auch und fühlen sich dann auch einsam. Das bin ich halt nicht, weil ich immer viel unterwegs bin. Ich helfe halt auch bei anderen Organisationen mit. Also mir geht es eigentlich ganz gut.

P: Ok. Wie hat Dich die Corona Pandemie beeinträchtigt?

M: Mich persönlich eher weniger, andere mehr. Dann konnte man halt weniger Flaschen sammeln, weit weniger. Aber sonst hatte ich keine Schwierigkeiten.

P: Gab es die letzten Monate für die Obdachlosen besondere Hygieneeinschränkungen oder Probleme, Essen zu bekommen?

M: Ja, die meisten Stellen hatten zu. Die meisten Organisationen, die einmal die Woche kommen, die sind dann nicht mehr gekommen. Ja, und am Bahnhof Zoo das Hygiene Center das ist ja auch so eine Witznummer. Da steht zwar dran, man kann 365 Tage im Jahr duschen, aber das war ja dann doch nicht so. Erstmal hatte das vier Wochen zu im Lockdown. Dann haben sie mal aufgehabt, wieder zugehabt, weil da einer krank geworden ist. Und dann überall diese Hygienevorschriften, Du sollst zwanzig Sekunden die Hände waschen. Das funktioniert aber auch nicht, wenn Du schonmal eine halbe Stunde warten musst, dass Du überhaupt die Toilette benutzen kannst.

P: Ich habe während dieses Projektes von vielen Obdachlosen erfahren, dass die Dich sehr schätzen und Dir vertrauen. Warum steckt in Dir so ein Bedürfnis, anderen Mitmenschen zu helfen?

M: Ja, mein Opa hat immer gesagt, jeden Tag soll man eine gute Tat tun und das mache ich. Aber ich tue niemanden verurteilen für das, was er gemacht hat. Oder wenn der Alkoholiker ist, tue ich das nicht verurteilen. Ich helfe ihm trotzdem. Weil ich kann auch auf jeden Einzelnen, der hier jetzt dabei war…auf die kann ich auch zählen. Wenn ich mal Hilfe brauche oder so, dann sind auch alle da.


3 Stadtmöbel
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Mario Wurm
mw@mariowurm.ch

Masterarbeit UdK Berlin

Referenzen

BetreuerIn:
Prof. Markus Bader
Prof. Bettina Goetz
Prof. Dr. Matthias Noell

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